Burg Waldmannshausen

Geschichte der Burg Waldmannshausen

Die folgende Darstellung beruht zum großen Teil auf der sehr verdienstvollen Jahresarbeit, die der Oberprimaner Alfred Katthagen zur Reifeprüfung Ostern 1936 vorgelegt hat und stellt im wesentlichen die Geschichte des Gutes und Geschlechtes Waldmannshausen bis zum Kauf des Landheimes durch den Schullandheimverein dar. Die gesamte Jahresarbeit (213 kB) und den Anhang (72 kB) können Sie als PDF downloaden.

Waldmannshausen liegt am Rande des Hoch-Westerwaldes sowie des Limburger Beckens. Die Lahn scheidet den Westerwald vom Taunusgebiet. Politisch gehören die beiden Ufer seit der germanischen Einwanderung zusammen. In vorgeschichtlicher Zeit, also in der jüngeren Steinzeit und in der Bronzezeit, ist unser Gebiet von Kelten bewohnt. Noch um 500 v. Chr. geht die Grenze der Germanen nördlich und westlich am Westerwald vorbei, während das nördliche linke Rheinufer schon von Germanen besetzt ist. Die langsame Eroberung Mittel- und Süddeutschlands durch Germanen erfolgt zwischen 750 und 100 v. Chr. So können wir annehmen, daß auch im Westerwald die Germanen zwischen 500 und 100 c. Chr. die Kelten endgültig verdrängt haben. Um 100 v. Chr. finden wir zwischen Sieg, Lahn und Rhein die Tenkterer im Westen, die Tubanter im Nordosten, die Imbrionen im Süden. Die Waffenfundkarte weist zur selben Zeit germanische Funde nur an den Rändern des Westerwaldes auf, also in den Tälern, wohl ein Zeichen, daß das Land noch ein undurchdringliches Waldgebiet war. In späteren Jahrhunderten finden wir Ubier, Mattiaker (aquae Mattiacae, das heutige Wiesbaden), Chatten, Alemannen und Franken. Nach Niederwerfung der Alemannen durch die Franken haben diese das ganze Gebiet bis weit über den Main nach Süden besetzt, bis zur heutigen Sprachgrenze zwischen beiden Stämmen. Seit dieser Zeit ist der Westerwald überwiegend fränkisch.

Unsere Gegend gehört seither zum Niederlohngau, später Lahngau. Er umfaßt das Land links und rechts der Lahn zwischen Dietz (dem mittelalterlichen Theodissa, Diethesse) und Selters bei Weilburg. Im Süden erstreckte sich der Gau bis an den Nordfuß des Taunusgebirges, im Norden bis auf die Höhen des Hochwesterwaldes. Zwischen Main, Sieg und Rhein gab es 10 Gaue, von denen der Niederlohngau der größte war. Die Mehrzahl dieser Gaue bildete später die Grafschaft Nassau, die erst in späteren Jahrhunderten zum Herzogtum erhoben wurde. Heute bildet das alte Herzogtum mit Kurhessen die preußische Provinz Hessen-Nassau.

Der Lahngau spielt schon in der frühesten deutschen Geschichte ein große Rolle. Nach dem Aussterben der Karolinger im Ostfrankenreich stellt er den ersten deutschen König, Konrad I. (911). Sein Denkmal steht bei Vilmar auf einem Felsen hoch über der Lahn. Dieser Konrad hat in dem Sachsenherzog Heinrich I., dem Vogler oder Burgenbauer, den Mann erkannt, der das erste deutsche Reich schaffen könnte. Auf dem Totenbett – er soll in Willnaburg, Weilburg, gestorben sein – beauftragt er seinen Bruder Eberhard, Heinrich die Krone zu überbringen; ein Vorgang, der heute noch durch das Lied von Heinrich dem Vogler im Volke weiterlebt.

Aber noch ein viel mächtigerer Fürst entstammt dem Grafengeschlecht des Lahngaus. Es ist Kaiser Konrad II. (1025 – 1039), den wir aus Uhlands Schauspiel “Herzog Ernst von Schwaben“ kennen. Erinnert sei an die Stelle, wo Uhland in epischer Breite die Kaiserwahl beschreibt, die letzte, bei der ein deutscher König von einer größeren Zahl deutscher Adeliger und freier Männer gewählt wurde. Dieser Konrad II. war einer der mächtigsten und kraftvollsten deutschen Kaiser des Mittelalters. Erwähnt werden muß auch der unglückliche Kaiser Adolf von Nassau, der von den deutschen Fürsten nach dem Tode Rudolfs I. (1291) gewählt worden war, um die Habsburger nicht zu mächtig werden zu lassen. Seit 1160 gibt es Grafen von Nassau, die in Laurenberg a. d. Lahn im westlichen Nachbargau zu Hause waren. 1255 teilten sie sich in drei Linie: Heinrich, Walram II. und Otto. Die walramsche Linie stellt die späteren Herzöge von Nassau (bis 1866). Otto ist der Urahn der Dillenburg-Oranischen Linie.

Oranier heißen sie nach der französischen Grafschaft Orange bei Avignon an der Rhone, wo die Päpste s. Zt. von dem französischen König in der sogenannten babylonischen Gefangenschaft gehalten wurden. Von Dillenburg aus, wo sie residierten, hat Wilhelm von Oranien, der große Schweiger, sein Heer ausgerüstet, um die Niederlande von den Spaniern zu befreien. Alles Gold- und Silbergerät der Familie wurde dazu geopfert. Seine Nachkommen sind die Erbstatthalter der Niederlande. Aus ihren Reihen stammt auch Wilhelm III., der nach dem Sturze der Stuarts (1688) König von England wurde.

Ursprünglich verteilten die beiden nassauischen Linien das Land so unter sich, daß die Länder links der Lahn der walramschen, die rechts der Lahn der ottonischen Linie zufielen.

Zur letzteren gehörte also Waldmannshausen. Unser Gebiet unterstand einem Lehnsmann der Grafen von Nassau, dem Grafen von Dietz. Die Grafschaft Dietz umfaßte 12 Gerichtsbezirke, Kirchspiele oder Zehnten, 6 an der Lahn, 6 im Westerwald. Zu Dietz gehörte außerdem die Herrschaft Ellar, die auch Vierzehnt genannt wurde, weil sie aus den 4 Zehnten: Lohr, Elsoff, Bleseberg und Zeuzheim bestand. Bleseberg ist der Bezirk um die St. Blasiuskirche; sie hat dem Bezirk den Namen gegeben, weil neben der Kirche Gericht gehalten wurde.

Zu diesem Bleseberger Zehnten gehörten Dorndorf, Langendernbach, Dorchheim, Mühlbach, Waldmannshausen und später auch Wilsenroth. Unsere Burg gehörte also zum Zehnten Bleseberg der Herrschaft Ellar in der Grafschaft Dietz der Grafen, später Herzöge von Nassau.

Wie alt der Ort und die Burg sind, kann man nicht mehr feststellen. Woher der Name kommt, ist auch nicht geklärt. Die Herren nannten sich Walpot von Waldmannshausen. Walpot kann bedeuten: Waldbote, das ist Forstverwalter. Oder es kommt von: gewalt bote; dann wäre anzunehmen, daß die Burginhaber die Gerichtsbarkeit ausübten. Auf alle Fälle waren es Adelige, freie Ritter, die auf der Burg saßen. Liberi milites und domini werden sie in den Urkunden genannt. Von ihrer Burg ist heute die Ruine im Park erhalten.

Die erste Urkunde stammt vom 21. 10. 1138. Sicherlich waren Burg und Geschlecht älter. Es erscheinen in dieser Urkunde ein Siegfried, Gebhard und Friedrich von Waldmannshausen, Namen, die sich in den folgenden Jahrhunderten immer wieder in der Familie forterben.

Die von Waldmannshausen sind in der großen Geschichte nicht unbekannt geblieben. Das sieht man daraus, daß der erste Ordensmeister des deutschen Ritterordens ein Heinrich Walpot von Waldmannshausen gewesen ist, er war mit seinem Herzog dem Kreuzzugsaufgebot Barbarossas gefolgt und ist auch im gelobten Lande gestorben (24. 10. 1200). Dort liegt er mit dem Sohne Barbarossas, Herzog Friedrich von Hohenstaufen-Schwaben, in einer Grabstelle: ein Zeichen, in welch hohem Ansehen dieser Waldmannshausen gestanden hat. Die noch heute bestehende Seitenlinie der Waldbott von Bassenheim spricht ihn als ihren Ahnherrn an. Aus dem Amte wurde ein Namensteil, da er bei der Familie erblich geworden war. Zu Ehren der Waldmannshausen soll der deutsche Ritterorden die Stadt Passenheim in Ostpreußen benannt haben. Noch um 1250 kommen die Waldmannshausen als Waldboten der Grafschaft Dietz vor. Ihr Wappen ist das weiß-rote Strahlenwappen, 6- oder 12geständert. Der erste Walpodo von Waldmannshausen erscheint urkundlich 1267.

Der Lehnshof derer von Waldmannshausen war sehr ansehnlich; 16 Vasallen werden in der Urkunde genannt, die wohl nur zum Teil wieder Adelige waren.

Gegen Ende des 14. Jahrhunderts starben die Grafen von Dietz aus. Adolf von Nassau, die spätere oranische Linie, erbte Dietz. Nun gehörte das Gut unmittelbar zu Nassau-Dillenburg.

Besitz und Waldbotenamt von Waldmannshausen wechselten in den folgenden Jahrhunderten öfters ihre Inhaber. Um 1500 saß dort die Seitenlinie Reiffenberg. Sie verkaufte den Waldboten an die Liebensteins. Außerdem saßen hier noch die Spriekart von Waldmannshausen, deren Adel aber angezweifelt wird. Sie starben 1562 aus. Wichtiger ist, daß die Liebensteins 1477 Thebes von Waldmannshausen mit Burg und Gut belehnen. Dieser Thebes hat 1486 das neue Burghaus erbaut, das wir heute die Burg nennen. Die alte Burg wurde verlassen, weil sie baufällig geworden war. Die neue Burg war, wie die alte, von einem Wassergraben umgeben, hatte ursprünglich kein Kellergeschoß, nur riesige, sehr starke und tiefe Grundmauern, wie bei Wasserburgen üblich.

Thebes von Waldmannshausen starb 1526. Sein Grabstein ist in der Blasiuskapelle zu sehen.

Der 30jährige Krieg muß der Gegend schwere Schäden gebracht haben. Das Land ringsum war von 17.000 Schweden unter von Baudissin besetzt, die Burg wurde völlig ausgeplündert. 1656 sind die Thebes von Waldmannshausen im Mannesstamme ausgestorben. Am 15. 3. 1656 erbte Philipp Vogt von Elspe zu Bamenohl das ehemalige Lehen Waldmannshausen. Philipp hatte eine Tochter des letzten Waldmannshausen zur Frau. Dieser Philipp muß ein sehr streitbarer Herr gewesen sein. Das Archiv in Wiesbaden birgt eine Unmenge von Prozeßakten dieses Erben von Waldmannshausen.

Das Gut blieb bis 1777 bei dieser Familie, dann fiel es an die Oranier. Von diesen kaufte es der oranisch-holländische Regierungsrat C. H. von Erath. An ihn erinnert die Inschrift am Gutshof: gubernator Indiae orientalis. Er war holländischer Gouverneur auf Java. Dort hatte von Erath ein größeres Vermögen erworben und kaufte 1786 Gut und Burg für 86.000 Goldgulden. Er wurde in den Reichsritterstand erhoben und erhielt den Beinamen “zu Waldmannshausen“. Dieser C. H. von Erath hat auch den Neubau, das heutige Schloß, errichtet. Aber “Schloß“ war es nur von außen. Es diente als Kornspeicher und Pferdestall. Auch der Gutshof ist von ihm 1790 neu erbaut worden.

Diese Eraths hatten 6 große Höfe im Besitz, von denen Waldmannshausen nicht der bedeutendste war. Aber die Neuadeligen reizte der alte Adelssitz, darum nahmen sie hier Wohnung. Dieser Umstand ist den Bauern der Umgebung zum Verhängnis geworden, als der Sohn Eraths das Gut erbte. Die Bauern waren meistens wohlhabend. Benötigten sie aber Geld, so gingen die zum reichen Erath, der sich in der übelsten Weise als Bauernleger betätigte. Bald waren alle Bauern der Umgebung von ihm abhängig.

Im Jahre 1870 fiel das Gut im Kaufwege für 340.000 Gulden an die ehemaligen Herzöge von Nassau, die auch Schloß Weilburg und den Windhof, unser erstes Schullandheim, besaßen. Das Gut Waldmannshausen war damals 221 ha groß, wovon 142 ha unterm Pflug waren.

Die von Eraths sind 1875 ausgestorben, nachdem sie bereits 1835 das Gut verkauft hatten, und zwar an den Frankfurter Bankier Bethmann, einen Urahn des späteren Reichskanzlers Bethmann-Hollweg. Der Schwiegersohn und Erbe Bethmanns ließ in die Burg den Zwischenstock und das Holztreppenhaus einbauen. Die Großherzogin von Luxemburg, die Erbin der herzoglich nassauischen Linie, verkaufte das Gut 1928 an den Bezirksverband der Provinz Hessen-Nassau. Dieser baute unter großem Kostenaufwand Burg und Schloß zu einem Erholungsheim seiner Nervenheilanstalt in Hadamar um. Als dieses im Jahre 1933 aufgehoben wurde, erwarb der Schullandheimverein der Oberrealschule mit Reformrealgymnasium Hagen i.W. Burg und Schloß Waldmannshausen mit etwa 23 Morgen Park und Gartenland. Am 1. Mai 1935 wurde das Heim eingeweiht.

Aus dem Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler von Hessen:

ELBGRUND Kreis Limburg. Lehenhof Waldmannshausen (jetzt Schullandheim). Stammsitz der 1136 zuerst genannten Familie von Waldmannshausen. – Dreigeschossiger spätgotischer Steinbau mit hohen Giebeln, an zwei entgegengesetzten Ecken Rundtürme mit Kegeldächern, in der Mitte der vorderen Längsfront runder Treppenturm. Im Erdgeschoß gotische Fenster, die oberen und das Innere um 1800 umgestaltet (Treppenhaus). Aus dieser Zeit auch das repräsentative ehem. Wirtschaftsgebäude, ein Rechteckbau mit niedrigen Seitenflügeln und größerem, durch Pilaster, Triplyphenfries und Dreieckgiebel gegliedertem Mittelbau. – Westlich des Hofes in dem kleinen anglisierten Park die Ruine einer mittelalterlichen Burg. Inmitten eines kreisförmigen Walles mit innerem Graben die stark zerfallenen Mauern eines wohl gotischen Rechteckgebäudes mit zwei runden Ecktürmen, um 1800 restauriert und verändert. – Das Herrenhaus des benachbarten, wohl ehemals zugehörenden Hofes 1790 erbaut.

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